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Multimediale Vorträge in digitaler Mehrfeldprojektion

„Tambara – aber zwischen den Steinen blühen Blumen“

Das Zepter des Hungers und die Wasserflüchtlinge des Sambesi
in Mocambique

Fotos Mocambique: Am Ufer des SambesiDer Motor des alten Lastwagens brummt leise sein Lied. Hinten auf der Ladefläche tarnen sich Säcke mit Mais, braunem Zucker, Öl Salz und Bohnen. Wir sind unterwegs von Chimoio, aus dem mittleren Mocambique, zum Sambesi im nördlichen Teil des portugiesisch sprechenden Landes. Die feste Strasse, die zum Cabora-Bassa-Staudamm führt haben wir schon vor Stunden verlassen und suchen uns den Weg zu denen, die all ihr Hab und Gut in den sintflutartig hereinbrechenden Wassern des Sambesi verloren haben. Spät abends erreichen wir mit einer der vielen Lasten von privaten LKW gebracht und von der Caritas Schweiz gestiftet und organisiert, das alte Militärlager am mächtigen Fluss.

Über 20 Jahre lang tobte hier ein zehrender Bürgerkrieg, der erst vor wenigen Jahren sein verlustreiches Ende fand. Die Streitenden waren nach der langen Zeit müde geworden und so zog wieder Frieden ein im geschundenen Land. Ehemals reich an Wild gingen fast alle Bestände verloren; geflohen nach dem benachbarten Südafrika, zur Nahrungsversorgung geschossen oder es hat auf einer der ungezäh1ten Minen sein Leben gelassen.

Fotos Mocambique: SpeisekammerOben in Tambara, dort schmecken Spaghetti so gut wie nirgends sonst auf der Welt. Dieser zunächst nicht ganz ernst genommene Satz sollte sich bewahrheiten.

Fast vollständig zerstört war das alte Lager ein Platz an dem wir das Mitgebrachte lagerten und täglich zu den Flüchtlingscamps und in die Dörfer brachten. Nachts, auf der flachen Matratze die aus zwei Lagen Barnbusgeflecht bestand liegend, hört man das Dröhnen der Stampfer mit denen die Frauen den Mais pulverisierten.

Nach dem Kaffee, den Pedro jeden Morgen nach Sonnenaufgang mit dem Wasser des Sambesi kochte, brachen wir auf. Du darfst den Weg nicht verlassen, ermahnte mich Chico eindringlich. Das ganze Land ist vermint. Gehst Du in den Busch, hängt Dein Leben an einem dünnen Faden oder eine Kobra erwischt Dich!

Fotos Mocambique: WartenIm Dorf wurden wir erwartet. Woher die Bewohner jedes Mal wussten wann wir kommen, ist mir bis heute eines der vielen Rätsel geblieben. Sie saßen unter einer uralten riesigen Akazie; hundert, vielleicht zweihundert, warteten auf uns. Auf die Bohnen, auf den Mais, das Öl und den Zucker.

Auf einem großen Haufen gekippt erhielt jeder seinen Anteil. Dieser wurde durch einen alten Topf bestimmt. Oben auf dem Bohnenberg liegend war er das Maß der Dinge. Kinder balgten sich im Staub um jedes heruntergefallene Krümel Zucker. Jede Frau gab nach Erhalt des Maßes einen Finger-
abdruck als Quittung auf ein bereitliegendes Papier.

Ihnen und all denen die in einfachsten, schnell zu-
sammengebauten und mit schwarzen Folien über-
deckten Hütten im Flüchtlingscamp lebten hatten die Wasser des Sambesi alles geraubt. Nur das Leben blieb, wenn überhaupt, übrig. Katastrophenartige Regenfälle hatten, aber viele Wochen ohne Unterbrechung fallend, den Sambesi, den drittgrößten Strom Afrikas, in reißende Wut versetzt. Auch die beiden großen Staudämme Cabora-Bassa und Kariba, konnten die Wassermassen nicht zurückhalten.

Hunderttausende flüchteten vor ihm, der ihnen doch sonst ihr Leben gab. Hier oben im alten Militärlager am großen Fluss begann sich etwas in mir zu verändern ...

Weitere Photos zu diesem Thema:
> Mocambique (Flash-Präsentation)

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