„Auf den Spuren der Gebrüder Denhardt“Gustav und Clemens Denhardt aus Zeitz im Jahre 1876 auf dem Weg nach Afrika – Wie Helgoland nach Deutschland kam – Der Vertrag
Eigentlich wollten sie ins ferne China. Doch ihr Weg führte sie nach Afrika. Mit dem zu Ende gehenden 19. Jh. war Afrika der Kontinent, der Neues, Unbekanntes, versprach.
Das Abenteuer rief gar manchen auf den Plan. Nicht immer Gutes im Schilde führend brachen viele dothin auf. Ganze Nationen lenkten ihr Augenmerk auf lockende Rohstoffe und Gewinne, auf das Erobern neuer Ländereinen um sie sich einzuverleiben. Für die Eroberten war es der Beginn des Unterganges jahrtausende alter Kulturen und vieltausendfacher Tod ganzer Völker.
Die beiden Brüder fassten den Entschluss, ihre Heimatstadt, in der sie geboren wurden, in Richtung Afrika zu verlassen.
Am 22. März 1876 verfasste Clemens Denhardt den Plan einer Reise zur Erschließung unbekannter Gebiete
im äquatorialen Ost-Afrika. Ein Schiff wurde in Elbing, dem heutigen Eblag in Polen, auf der Schichau-Werft gebaut um sich damit auf dem Juba einzuschiffen und diesem stromauf zu folgen.
Manches entwickelte sich anders als gedacht. Und so mußten sie den Tana wählen um ihm ins Landesinnere zu gelangen. Handelsstationen wurden mit dem Ziel errichtet das Innere Afrikas für den Verkehr und den Handel zu erschließen. Auch der belgische König Leopold bemühte sich um die Denhardts. Sie sollten ihm bei seinen Plänen der Erschließung des Kongo behilflich sein. Angesichts der millionenhaften Massaker Belgiens am kongolesischen Volk lehnten sie ab.
Sie vermaßen Teile der Küste Ost-Afrikas und fertigten Karten an, die z.Teil heute noch als Grundlage dienen. Astronomische Beobachtungen ergänzten ihre Arbeit als Geographen und Vermesser. Ein Mineral, nach ihnen Denhartit genannt, entdeckten sie auf ihren Reisen.
Sie gelangten in dieser Zeit in die Streitigkeiten zwischen dem Sultan von Sansibar und dem Sultan vom Wituland. Sansibar war zu jener Zeit von England dominiert. Der Sultan Sansibars, Said Bargasch, wollte seinen Einflussbereich auf jene Gebiete ausdehnen die dem Sultan vom Wituland, Fumo Bakari, unterstanden. Dieser bat die Brüder um Beistand und hoffte es gelingt Wituland der Deutschen Schutzherrschaft anzuvertrauen.
Den Denhardts gelang es nach vielen Mühen Deutschland zur Schutzherrschaft über das Wituland zu gewinnen. Damit gerieten die Brüder unbewußt in die Interessenkonflikte der beiden Nationen Deutschland und England.
Der Sultan von Wituland ernannte die Brüder zu Ministern mit weitreichenden Vollmachten. Sie erwarben
Ländereien, errichten eine Poststation die noch heute als Museum existiert.
Auf den umfänglichen Flächen die ihnen durch Kauf gehörten bauten sie u.a. Baumwolle und Hanf an. Ihr Wohnhaus in Lamu steht noch heute.
Ohne ihr Wissen wurde 1890 auf Initiative von Dr. Carl Peters ein Vertrag zwischen England und Deutschland abgeschlossen, der als Helgoland-Sansibar-Vertrag in die Geschichtsbücher einging.
Im Zuge dieses Vertrages verloren die Brüder ihre Besitzungen und damit ihr gesamtes Vermögen. Das Deutsche Reich hat keine angemessene Entschädigung für die Denhardts gewährt.
Bis heute wird davon ausgegangen, dass die Insel Sansibar das Tauschobjekt für Helgoland sei.
Doch dies stimmt nicht.
Völlig verarmt starb Clemens in Bad Sulza. Gustav überlebte die Kriegsgefangenschaft nicht und liegt begraben auf dem Johannisfriedhof in Zeitz.
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