Kassettendecke Schloß Moritzburg in Zeitz
Kassettendecke Schloß Moritzburg in Zeitz


Die Kassettendecke

Das Tafelgemach im ersten Obergeschoss des Südflügels im Zeitzer Schloss Moritzburg hatte im Rahmen des Hofzeremoniells eine herausragende Bedeutung. Dementsprechend wurde seiner Ausgestaltung besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Folgt man dem Lauf der Jahreszeiten im Zentrum der Decke, so ist nun ein Viertelkranz aus Wein, der Herbst, dem Kontinent Afrika zugeordnet. Im ovalen Mittelfeld sitzt eine dunkelhäutige Person in Federschurz und weißem Turban. Eine Kombination, die nicht der Realität entsprach, sich bei der allegorischen Darstellung dieses Erdteils jedoch ungebrochener Beliebtheit erfreute. Ein Sonnenschirm verweist auf das für Europäer extreme Klima. Der Elefantenzahn steht für das überaus kostbare, bereits seit der Antike auch in Europa geschätzte Elfenbein. Auch Waffen fehlen nicht.

Das letzte Deckenviertel ist dem Kontinent Amerika gewidmet. Im Mittelmedaillon sitzt eine fast nackte dunkelhäutige, mit Federn geschmückte Frau auf einem Baumstumpf. Exotische Tiere, Perlen, Nautilusmuscheln und wiederum Waffen sind ihr zugeordnet. Mit dem Viertelkranz aus Reisig schließt sich der Jahreskreis. Diese Darstellung steht gemeinsam mit den Sternzeichen, den "Wegmarken" im Jahreslauf, für eine weitere Allegorie, die der Zeit.

Bei der Betrachtung dieses "Weltbildes" sollten nicht voreilige Schlüsse gezogen werden. Die Europäer, die die Kulturen der Ureinwohner Amerikas noch leichtfertig zerstört hatten, erkannten und bewunderten nun die alte Kultur Chinas. Europa stand im 16. und 17. Jahrhundert tatsächlich im Mittelpunkt der Weltgeschichte, deren Zeitalter damit überhaupt erst seinen Beginn nahm.

Der Raum wurde in Bahnen, die mit der Kamera befahrbar gestaltet wurden, aufgeteilt. Jede Bahn wiederum wurde in Segmente zerlegt von denen je eine Aufnahme hergestellt wurde.  Die Breite der Bahnen und die Größe der Segmente wurden dabei in einer Größe angelegt die eine exakte 1:1 Aufnahme des jeweiligen Ausschnittes erlaubt.

Auf diese Weise entstanden mehrere Hundert Teilbilder dieser rund 220 m² großen Decke. Problematisch war die Ausleuchtung der 3-dimensionalen Kassetten, die teilvergoldet sind und fast permanent spiegeln.

Die Einzelbilder wurden anschließend nach individuellen Korrekturen zusammengefügt. Dies mußte per Hand geschehen, da aktuell Stitching-Software diesen Umfang nicht bewältigt und zu ungenau ist.

Das Ergebnis ist eine 1:1 Reproduktion. Die Datei hat eine Größe von rund 17 m x 19 m und ist wie das Original trapezförmig. Die Datei hat ein Volumen von 160 GB. Damit lassen sich jederzeit Teilauszüge ohne Detailverluste herstellen und betrachten.


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